“Wir haben eigentlich immer genug Kunden – aber planbar ist das nicht.” Das ist einer der häufigsten Sätze, die ich von Unternehmern höre, die gut wirtschaften, aber an einer Wachstumsschwelle stehen.
Der Grund: Sie haben keinen Vertrieb – sie haben Glück. Und Glück skaliert nicht.
Der Unterschied zwischen Vertrieb und Akquise
Viele Unternehmer verwechseln “Akquise” mit “Vertrieb”. Akquise bedeutet: Ich spreche Leute an und hoffe, dass jemand kauft. Vertrieb ist ein strukturierter Prozess, der aus Interessenten planbar Kunden macht.
Vertrieb als System bedeutet:
- Sie wissen, wer Ihr idealer Kunde ist (Ideal Customer Profile)
- Sie wissen, wo dieser Kunde ist
- Sie haben einen definierten Prozess vom Erstkontakt bis zum Abschluss
- Sie messen jeden Schritt dieses Prozesses
- Sie wissen, was eine Verbesserung von 10% an einem Schritt für Ihren Umsatz bedeutet
Schritt 1: Ideal Customer Profile definieren
Bevor Sie irgendwas im Vertrieb optimieren, klären Sie: Wen wollen Sie eigentlich als Kunden?
Ein ICP (Ideal Customer Profile) beschreibt den Kundentyp, der:
- Das größte Potenzial für Ihr Unternehmen hat
- Am einfachsten zu überzeugen ist
- Die höchste Zufriedenheit und Retention zeigt
- Sie am häufigsten weiterempfiehlt
Typische ICP-Dimensionen für B2B:
- Unternehmensgröße (Mitarbeiter, Umsatz)
- Branche
- Schmerzpunkte und Herausforderungen
- Entscheider-Rolle (Geschäftsführer, HR, Operations?)
- Kaufbereitschaft (Hat das Unternehmen das Problem schon erkannt?)
Schritt 2: Den Vertriebstrichter kartieren
Zeichnen Sie auf, wie ein Interessent bei Ihnen zum Kunden wird. Jeder Schritt braucht:
- Einen Namen (z.B. “Erster Kontakt”, “Discovery Call”, “Angebot”, “Abschluss”)
- Ein klares Ziel (Was soll am Ende dieses Schritts passiert sein?)
- Eine Conversion-Rate (Wie viele gehen zum nächsten Schritt weiter?)
Wenn Sie das noch nie gemacht haben, werden Sie überrascht sein, wo die meisten potenziellen Kunden verloren gehen.
Schritt 3: Den Engpass finden und beheben
In jedem Vertriebstrichter gibt es einen Engpass – die Stelle, an der die Conversion am schlechtesten ist. Das ist Ihr Hebel.
Typische Engpässe:
- Wenig qualifizierte Leads generiert → Positionierung und Marketing verbessern
- Viele Erstkontakte, wenige gehen zu Gesprächen über → Kontaktaufnahme oder Erstbotschaft verbessern
- Viele Gespräche, wenige Abschlüsse → Angebot oder Gesprächsqualität verbessern
- Viele Abschlüsse, schlechte Retention → Leistungsqualität oder Erwartungsmanagement verbessern
Verbessern Sie immer zuerst den Engpass – alles andere ist sekundär.
Schritt 4: Vertriebsprozess dokumentieren und trainieren
Wenn Ihr Vertrieb davon abhängt, dass eine bestimmte Person ein gutes Gespür hat – haben Sie keinen Vertriebsprozess. Sie haben eine Person.
Dokumentieren Sie:
- Wie sieht der erste Kontakt aus?
- Welche Fragen werden im Qualifizierungsgespräch gestellt?
- Wie wird das Angebot strukturiert?
- Wie wird nachgefasst?
- Wie wird ein “Nein” oder “Mal sehen” behandelt?
Ein dokumentierter Prozess kann trainiert, verbessert und skaliert werden.
Schritt 5: CRM einführen und nutzen
Ein CRM (Customer Relationship Management) ist kein Luxus für Großkonzerne – es ist die Voraussetzung für systematischen Vertrieb ab einer gewissen Größe. Ohne CRM verlieren Sie Leads, vergessen Nachfass-Termine und haben keine Übersicht über Ihren Pipeline.
Einfacher Einstieg: Pipedrive, HubSpot (kostenlose Version) oder auch ein strukturiertes Notion-Board reichen für den Anfang.
Messung: Was Sie wöchentlich tracken sollten
- Anzahl neue Leads (qualifiziert)
- Anzahl geführter Gespräche
- Anzahl versendeter Angebote
- Abschlussrate
- Durchschnittliche Angebotsgröße
- Vertriebszyklus-Dauer (Erstkontakt → Abschluss)
Diese 6 Zahlen geben Ihnen jede Woche ein vollständiges Bild Ihres Vertriebs.
Fazit: Vertrieb ist zu wichtig, um dem Zufall überlassen zu werden
Unternehmen, die systematisch wachsen, haben nicht das bessere Produkt. Sie haben den besseren Vertrieb. Das klingt nüchtern – ist aber die Realität.
Die gute Nachricht: Vertrieb ist lernbar, trainierbar und systematisierbar. Es ist kein Talent – es ist ein Prozess.
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